Manfred Wittenstein: Fast pleite, und dann Weltspitze

Manfred Wittenstein spricht leise. Und schlägt doch alle in seinen Bann. Im Mai 2026 hat die Bürgerinitiative proREGION Heilbronn-Franken zu ihrer Hauptversammlung in die Innovationsfabrik der WITTENSTEIN SE nach Igersheim eingeladen.

Der Ausgangspunkt

„Eigentlich waren wir pleite“, erinnert sich Manfred Wittenstein an 1979, nachdem er den Betrieb vom Vater übernommen hatte. Er fragte sich also: Was brauchen die Kunden wirklich? Er würde liefern. Er lieferte.

So entstand Neues, nicht nur einmal, sondern immer wieder, bis heute. Anfang der 1980er Jahre baute Wittenstein ein Planetengetriebe fast ohne Spiel – etwas, das damals der landläufigen Meinung nach nicht funktionieren konnte. Er schaffte es trotzdem. Knapp 30 Jahre später stellte er auf der Hannover Messe ein spielfreies Getriebe vor. Damit können Chirurgen heute ferngesteuert ins Gehirn eindringen.

Je kleiner, desto spannender

Genauigkeit fasziniert Manfred Wittenstein, das spürt man. Je kleiner die Strukturen, desto interessanter wird es für ihn. Nano. Pico. Atomare Strukturen. Wittenstein ist dabei, sein Unternehmen und er selbst, immer am Puls.

Zur Unternehmensgruppe gehört auch eine Softwarefirma in Großbritannien. Dort wurde irgendwann begonnen, Steuerungssysteme für Fly-by-Wire-Anwendungen zu entwickeln – also für Flugzeuge, bei denen alle Steuerbefehle elektronisch übertragen werden. Solche Systeme müssen absolut zuverlässig und störungssicher sein. Diese Anforderungen sind auch in anderen Branchen gefragt, etwa bei Amazon oder Daimler.

Der Hofnarr als Führungsprinzip

Der Satz, der am meisten nachgeht: Jedes Unternehmen bräuchte einen Hofnarren. Einen, der sagen darf, was andere nicht sagen. Wittenstein meint das ernst – und man glaubt es ihm.

Es ist eine Haltung, die zu seiner Unternehmensgeschichte passt. Wer 1979 mit einem insolvenznahen Betrieb anfängt und daraus ein internationales Technologieunternehmen formt, hat offenbar gelernt, unbequeme Wahrheiten zu schätzen.

Manfred Wittenstein: Zwei Arbeitsleben

Seinen 80. Geburtstag hat Manfred Wittenstein vor mehr als drei Jahren gefeiert. Nicht weit entfernt, in Künzelsau, spricht Reinhold Würth davon, zwei Berufsleben aneinandergehängt zu haben. Das kann Manfred Wittenstein auch für sich beanspruchen.

Friedlinde Gurr-Hirsch, die langjährige Staatssekretärin im baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium, brachte es nach dem Abend auf den Punkt: Manfred Wittenstein habe alle „geflasht“. Es war, so Gurr-Hirsch, „ein Programm gegen die mentale Depression“.

Wer an diesem Abend dabei war, kann ihr kaum widersprechen.


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Christian Gleichauf | wortCraft - Kommunikation Heilbronn
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